Chronik

Die Gründung der Sailaufer Feuerwehr geht auf das Jahr 1875 zurück. Genauer gesagt, auf Samstag, den 24.07.1875.

Aus den vollständig erhaltenen Aufstellungen aus dem Jahre 1837 im Archiv der Gemeinde Sailauf wird entnommen:

Die damalige Löschmannschaft bestand aus:

  • 81 Wasserträgern
  • 6 Läutern
  • 8 Wächtern
  • 9 Leiterträgern
  • 6 Mann zum Feuerhaken
  • 3 Mann zum Feuerwischen
  • 6 Mann an der Feuerspritze
  • 6 Mann zum Ausräumen
  • 6 Feuerausrufer
  • 2 Tampouren (vermutlich Tambouren = Trommler)

Wie aus der großen Zahl an Wasserträgern zu erkennen ist, war der Feuereimer das hautpsächliche Löschgerät, mit dem die Helfer Ketten bis zum nächsten Brunnen oder bis zum Dorfbach bildeten und so das Wasser herbeischafften. Jeder männliche Einwohner, der heiratete, musste einen ledernen Feuereimer kaufen und der Gemeinde zur Verfügung stellen.

Der allgemeinen Entwicklung Rechnung tragend, wurden im Jahr 1875 die Gemeinden mit Dekret (Beschluss, Verordnung, behördliche oder richterliche Verfügung) des damaligen königlich-bayerischen Bezirksamtes Aschaffenburg verpflichtet, eine Feuerwehr aufzustellen.

Schon damals erhoben die Gemeinden auf ihre Art eine stille Feuerschutzabgabe von ihren Bürgern in Form eines ledernen Feuereimers. Die Gemeinde musste nach Angaben von älteren Bürgern eine Saug- und Druckpumpe beschaffen, soweit dies möglich war.

Interessant ist auch aus jener Zeit die Tatsache, dass in jedem Ort jüngere Männer als Feuermelder bestimmt waren, die im Brandfalle in die Nachbarorte laufen und dort alarmieren mussten, denn Fahrzeuge und Telefon gab es zu dieser Zeit noch nicht. 

Aus den Erinnerungen und dem Protokollbuch geht eine Vielzahl von Namen hervor, von Männern die an verantwortlicher Stelle als sogenannte "Chargierte", wie sie damals hießen, in der Wehr tätig waren. Sie alle aufzuführen ist leider nicht mehr möglich. Doch sollen die Namen der Männer, die als Kommandanten oder Vorstand oft über Jahrzehnte hinweg für den Feuerschutz in unserer Gemeinde verantwortliche zeichneten, stellvertretend für alle Männer der Feuerwehr der Nachwelt erhalten bleiben. So ist noch bekannt, der Kommandant ein gewisser Lorenz Geis, der nach einigen Jahren seinen Posten niederlegte und nach Amerika auswanderte. Ihm folgte Schmiedemeister Jakob Sauer, später leitete für einige Jahre Franz Prößler von der Gastwirschaft "Traube" die Wehr. Ihm folgte Kilian Schmitt, der damals Besitzer der "Borkesmühle", dem heutigen Anwesen Kraß, in der Engländerstraße war. Im Jahr 1910 war dann Hauptlehrer Firmbach Kommandant der Wehr und Vorstand war Michael August Bormann.

Im folgenden Abschnitt sollen die markantesten und interessantesten Einträge des Protokollbuches und des Zeitgeschehens wiedergegeben werden. Während die Einsätze und Ereignisse des zweiten Weltkrieges dank der mustergültigen Protokollführung des langjährigen Schriftführers Andreas Müller lückenlos überliefert sind, fehlen jedoch die Einträge für die Zeit des ersten Weltkrieges. Am 16.02.1919 fand sich die Wehr nach dem ersten Weltkrieg wieder zusammen und formierte sich neu.

In der Generalversammlung vom 02.04.1922 beschloss man erstmals für "besondere Bedürfnisse" der Wehr von jedem Feuerwehrmann einen Jahresbeitrag von zwei Mark zu erheben.

Bereits Anfang des nächsten Jahres wurde dieser Beitrag, schon deutlich im Zeichen der Inflation, auf zehn Mark heraufgesetzt. Als besonderes Beispiel für die heutige junge Generation sollte der Eintrag über einen Familienabend im Jahr 1924 dienen, wo anläßlich einer Ehrung für langjährige Dienstzeiten nach einem Aufruf des damaligen Bürgermeisters Bormann 25 junge Männer der Wehr beitraten.

Am 05.07.1925 wurde das 50jährige Stiftungsfest abgehalten, bei dem der damalige Bezirksamtmann Häusner die Festansprache hielt.

Interessant ist auch die Tatsache, dass sich die Feuerwehr auch in früheren Jahren Gemeinschaftsaktionen nicht verschloss, denn im Jahr 1928 veranstalteten die Wehrmänner einen Blumentag, bei dem im Rahmen einer Tanzveranstaltung Blumen verkauft wurden. Der Reinerlös wurde einem Kindererholungsheim in Bad Reichenhall zur Verfügung gestellt. 

Erstmals wurde im Jahr 1934 in Sailauf eine Feuerschutzwoche durchgeführt, die nach den Aufzeichnungen etwa in dem heutigen Rahmen abgehalten wurde. Das Fest des 60jährigen Bestehens wurde am 29./30.07.1935 gefeiert.

Der 2.Weltkrieg: Deutlich läßt sich aus den Einträgen der folgenden Jahre eine allgemeine Eingliederung der damaligen Machtpolitik herauslesen. Denn es mussten Verdunkelungsübungen, Wehrmannschaftsdienst und ähnliches abgeleistet werden. Am 19.07.1941 fand ein Kreisappell aller Wehren des Landkreises Aschaffenburg in Sailauf statt, der mit einer Großübung und einem Vorbeimarsch an Landrat Dr. Jörges und Kreisbrandinspektor Schiefer abgeschlossen wurde.

Am 18.06.1943 wurde die erste Motorspritze der Sailaufer Wehr übergeben. Im folgenden sind dann acht Einsätze in der Zeit vom 25.05.1944 bis 25.02.1945 in Aschaffenburg, Stockstadt und Kleinostheim verzeichnet, bei denen die Sailaufer Wehr, oft in mehrtägigen Einsätzen mithalf, die durch Bombenabwürfe entstandene Großbrände zu löschen. Charakteristisch für die schwere Zeit ist der abschließende Eintrag des Chronisten: "Mit Genugtuung kann die Wehr Sailauf behaupten, dass sie voll und ganz bei den Einsätzen ihre Pflicht getan hat." Verhältnismäßig schnell fand sich nach dem zweiten Weltkriege die Sailaufer Wehr wieder zusammen und bald konnten auch die großen Lücken, die der zweite Weltkrieg hinterlassen hatte, geschlossen werden.

Die 1950er und 1960er Jahre: Am 30.06.1951 wurde mit einjähriger Verspätung bei strahlendem Sommerwetter das Fest des 75jährigen Bestehens gefeiert. Als besonders bemerkenswert für diese Zeit war der Zugang vieler junger Leute zur Feuerwehr. Mehrere Löschgruppen erwarben damals das Leistungsabzeichen. Erstmalig wurde der Florianstag gefeiert. All dies bewirkte einen sichtbaren Aufschwung bei der Feuerwehr. Die Entwicklung unserer Gemeinde, die Erweiterung durch viele Neubauten, sowie der Zuzug vieler Bürger stellten die Feuerwehr vor neue Aufgaben.

Die Sicherheit des Feuerschutzes war in der Gemeinde nicht mehr gewährleistet, weil das alte kleine Feuerwehrgerätehaus nicht mehr ausreichte, die vorhandenen Geräte und Ausrüstungsstücke ordnungsgemäß aufzubewahren. Noch heute steht das alte Gerätehaus und wird, zwischenzeitlich etwas seltener, als Wiegehaus genutzt. (Anmerkung: Auch diese Nutzung ist lange vorbei.)

Schon in den ersten Jahren der Amtszeit des Bürgermeisters Richard Lehmann stellte die Freiwillige Feuerwehr den Antrag auf Errichtung eines Gerätehauses. Der Gemeinderat ließ sich von der dingenden Notwendigkeit überzeugen und gab seine Zustimmung zur Planung im Jahr 1963. Das Richtfest konnte bereits im November gefeiert werden. Das Feuerwehrhaus wurde pünktlich fertig und im Rahmen eines Feuerwehrfestes am 18. und 19.Juli 1964 eingeweiht. Architekt Eugen Glaab hatte die Bauleitung.

Nachdem bereits ein Großteil der Vereine den Erlös einer Veranstaltung als Baustein für das Vorhaben zur Verfügung gestellt haben, stellte der SV "Sportfreunde" die Einnahmen seines letzten Verbandsspieles am Pfingstmontag in Sailauf gegen Königshofen gleichfalls für den guten Zweck zur Verfügung. Der Bürgermeister Richard Lehmann dankte allen Vereinen anläßlich der Einweihung für ihren großartigen Einsatz.

Von 1960 an, im besonderen jedoch nach der Beschaffung eines Löschfahrzeuges LF8 im Jahr 1967 haben mehrere Löschgruppen nach intensiver Ausbildung die Leistungsprüfung in Gold, Silber und Bronze erworben. Erfreulicherweise konnten auch Jugendgruppen ausgebildet werden. Für ihre Leistungen wurde ihnen die Jugendleistungsspange verliehen. 

Am 2., 3. und 4. September 1967 feierte die Freiwillige Feuerwehr ihr 90jähriges Bestehen (mit zweijähriger Verspätung), verbunden mit der Weihe eines neuen Löschgruppenfahrzeuges LF8. Es ist ein besonderer Anlass, dieses Jubiläum festlich zu begehen. Die gesamte Bevölkerung unserer Gemeinde wurde hierzug herzlichst eingeladen, an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Die Gemeinde hat trotz ihrer angespannten Finanzlage (Schul-, Kanal- und Straßenbau) das Löschfahrzeug gekauft, weil die Sicherheit des Schutzes von Hab und Gut jederzeit gewährleistet sein muss. Durch die Bemühungen des Bürgermeisters Richard Lehmann war es möglich gewesen, die beantragten Zuschüsse vorzeitig zu erhalten.

Die Gemeinde erlaubte der "Rot-Kreuz-Kolonne" auf Antrag ihre künftigen Unterrichtsabende ebenfalls im Gerätehaus abzuhalten. (Anmerkung: Dies ist zwischenzeitlich "Geschichte". Nach vielen Jahren im Jugendzentrum - jetzt Bürgerzentrum, bezog das Rot-Kreuz-Sailauf im Jahr 2012 ihr eigenes Domizil in der Eichenberger Strasse.)

Die 1970er Jahre: In der Jahreshauptversammlung 1970 wurde vom Vorstand auf das Fehlen von zwei weiteren Sirenen hingewiesen. Dass diese für die Sicherheit des Feuerschutzes dringend erforderlich sind, hatte sich bei einem Großbrand im Sägewerk Müller 1969 gezeigt.

Die damals noch zu entrichtende "Feuerschutzabgabe" wurde aufgrund der gestiegenen Ausgaben durch Beschluss des Gemeinderates 1972 von jährlich 10,00 DM auf 12,00 DM angehoben. Diese Abgabe musste damals jeder feuerwehrdiensttaugliche, männliche Bürger im Alter von 18 bis 60 Jahren zahlen. Ausgenommen natürlich die aktiven Feuerwehrmänner. Im Jahr 1975 erfolgte eine Anhebung von 12,00 DM auf 15,00 DM jährlich. In den Folgejahren erfolgte aufgrund der steigenden Ausgaben eine Anhebung auf jährlich 20,00 DM und dann später 30,00 DM. Mit Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 24.01.1995 wurde die Erhebung dieser Abgabe als verfassungswidrig erklärt. Im Jahr zuvor hatte bereits der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden, dass die Erhebung einer solchen Abgabe nicht zu rechtfertigen sei.

Die früher in Sailauf ansässige Firma ELB-Schliff (ELB = Edmund Lang Babenhausen, Herstellung von Schleifmaschinen) stiftete ein Schaumlöschgerät, welche bei der Jahresabschlussübung 1971 erstmals zum Einsatz kam. Im Jahr darauf wurden 2 Heusonden mit Zuschuss der Bayerischen Versicherungskammer angeschafft.

Aufgrund der Gebietsreform 1972 schließt sich Eichenberg der Gemeinde Sailauf an und wird eingemeindet. Die dort ansässige Feuerwehr bleibt jedoch bis auf weiteres eigenständig bestehen.

Vom 20. bis 23.Juli 1975 feierte die Freiwillige Feuerwehr ihr 100jähriges Bestehen auf der "Postwiese". 

Die Alarmierung der Sailaufer Feuerwehr klappte bisher nie reibungslos, stellte Bürgermeister Richard Lehmann in der Gemeinderatssitzung im Januar 1976 fest. Das soll in Zukunft anders werden, denn die Feuerwehr hatte die Ausstattung mit einem Funkgerät und Funkweckern (nicht vergleichbar mit den heutigen Funkmeldeempfängern!) beantragt. Kreisbrandrat Bernhard Diener nahm als Gast an der Gemeinderatssitzung teil. 1977 wurde die komplette Funkausstattung (dies bedeutete im Fahrzeugfunk ein FuG 7B und eine Funksteuerung für die Sirenen) beschafft. Leider noch keine Sicherheit für eine vollkommene Alarmierung.

Bereits im Jahr 1971 wurden 4 Atemschutzgeräte beschafft. Einige Feuerwehrkameraden wurden an diesen Geräten in München ausgebildet.

In Anbetracht der vorerwähnten Leistungen unserer Feuerwehrmänner und vorhandenen Löschgeräten kann der Feuerschutz in unserer Gemeinde als gesichert angesehen werden.

Soweit die Chronik aus den 1970er Jahren. Geschrieben wurde sie von dem damaligen Vorsitzenden und Bürgermeister Richard Lehmann. Lediglich die Anmerkungen wurden nachträglich angebracht. Die weitere Chronik ergibt sich aus den Protokollbüchern und wird hier vom derzeitigen Vorsitzenden Peter Kernhof fortgeschrieben.

1977 wurde dann endlich ein Funkgeräte FuG7B für das Löschgruppenfahrzeuge LF8 angeschafft. Ebenfalls die Sirenensteuerung wurde auf Funkalamierung umgestellt.

Im Jahr 1979 kam es in der Faschingszeit nachts zu einem Großbrand bei der Firma ELB-Schliff, welcher nicht nur die Sailaufer Wehr, sondern auch die Wehren der umliegenden Orte forderte. Viele Feuerwehrdienstleistenden waren zur Alarmzeit auf einer Faschingsveranstaltung und glaubten zunächst an einen Faschingsscherz. Die Nachlöscharbeiten und Brandsicherheitswachen zogen sich mehrere Tage hin. 

Die Planungen der 900-Jahr-Feier der Gemeinde Sailauf für das Jahr 1980, verbunden mit einer angedachten Großübung der Sailaufer Feuerwehr, veranlasste den damaligen Kreisbrandinspektor (KBI) Benno Geis an der Dienst- und Jahreshauptversammlung 1980 die Anschaffung eines Tanklöschfahrzeuges (TLF) dringend zu empfehlen.

 

Das 1967 in Dienst gestellt Löschgruppenfahrzeug LF8, inzwischen über 30 Jahre in treuen Diensten, musste nun (1998) ersetzt werden. Bei einer adäquaten Neubeschaffung hätten etwa 500.000,00 DM investiert werden müssen. Hier kam der Umstand, dass die Deutsche Bahn AG verschiedene Fahrzeuge gebraucht auf dem Markt anbot, gerade recht. Die Gemeinde Sailauf kaufte ein gebrauchtes LF24 für 160.000,00 DM. Weitere 30.000,00 DM kamen für die Beladung hinzu. Wermutstropfen bei diesem Schnäppchen: Es ist zu hoch für die Fahrzeughalle. Lösung: Fahrzeughalle tieferlegen und die Tore nach unten verlängern. Da das Fundament nass war, wäre eine Sanierung in absehbarer Zeit sowieso erforderlich gewesen. Durch ein Mißverständnis glaubten die Gemeinderäte, dass der Feuerwehrvereine den Umbau komplett selbst finanzieren würde. Nach hitzigen Diskussionen einigte man sich auf einen Zuschuss des Vereins für das Fahrzeug in Höhe von 10.000,00 DM sowie einer personellen Unterstützung beim Umbau. Sumasumarum ersparte das Engagement der Feuerwehr und des Vereins bei der Fahrzeugsuche und der Umgestaltung des Feuerwehrgerätehauses der Gemeinde einen Betrag von weit mehr als 100.000,00 DM.

Am 25.September 2017 wurde vom Gemeinderat einstimmig dem Antrag auf Einführung einer Kinderfeuerwehr in die gemeindliche Einrichtung Feuerwehr zugestimmt.

Das Feuerwehrgerätehaus am Bischling wurde Anfang der 1960er Jahre (Grundsteinlegung 1963) errichtet. Zwischenzeitlich entspricht es nicht mehr den Anforderungen, so dass der Gemeinderat sich entschlossen hat ein neues Feuerwehrgerätehaus am Festplatz zu errichten.